Eine Liege schützt nicht vor jedem Belastungsreiz
Du musst bei IHHT weder laufen noch Fahrrad fahren. Das kann den Eindruck erwecken, die Anwendung sei bei jeder Erschöpfung gut verträglich. Bei ME/CFS ist diese Annahme zu einfach. Auch ein Reiz in Ruhe kann relevant sein. Hinzu kommen Anfahrt, Gespräch, Licht, Geräusche und der gesamte Termin.
Entscheidend ist deshalb, ob bei dir eine postexertionelle Malaise, kurz PEM, besteht. Dabei nehmen Beschwerden nach einer Belastung zu, oft verzögert. Die Belastung kann körperlich, geistig oder emotional sein. Eine solche Reaktion darf nicht mit normaler Müdigkeit nach Aktivität gleichgesetzt werden.
Was die Empfehlungen zum Energiemanagement bedeuten
NICE betont bei ME/CFS ein individuelles Energiemanagement innerhalb der vorhandenen Grenzen. Starre Steigerungspläne passen dazu nicht. Für ein ergänzendes Verfahren bedeutet das aus meiner Sicht: Die Verträglichkeit muss sorgfältig geprüft werden; ein besserer Messwert rechtfertigt keine Überschreitung deiner Grenze.
IHHT ist in diesen Empfehlungen keine etablierte Standardbehandlung. Ergebnisse einer Long-COVID-Rehabilitationsstudie lassen sich nicht automatisch auf ME/CFS, schwere PEM oder Menschen übertragen, die kaum Alltagsaktivität tolerieren. Dafür fehlen direkte, verlässliche Nachweise.
Was vor einem Gespräch wichtig ist
Beschreibe nicht nur, was du während einer Aktivität empfindest. Sage auch, was später passiert. Wie reagierst du am selben Abend, am nächsten Morgen oder nach einem längeren Termin? Welche Beschwerden nehmen zu? Wie lange brauchst du, bis du wieder auf deinem vorherigen Niveau bist?
Wenn bereits ein Behandlungsteam vorhanden ist, gehört eine mögliche zusätzliche Anwendung dort angesprochen. Du sollst nicht zwischen widersprüchlichen Empfehlungen allein entscheiden müssen. Auch das Gespräch selbst kann kürzer oder anders organisiert werden, wenn deine Belastbarkeit gering ist.
Kein Versuch ohne klare Grenzen
Bei deutlicher PEM ist eine pauschale Empfehlung für eine IHHT-Serie nicht verantwortbar. Sollte im Einzelfall überhaupt ein ergänzender Versuch erwogen werden, braucht es vorher eine individuelle medizinische Beurteilung, klare Abbruchregeln und eine Beobachtung möglicher verzögerter Verschlechterungen.
Du musst keine weitere Methode ausprobieren, nur weil du schon lange krank bist. Eine Entscheidung gegen einen zusätzlichen Reiz kann sinnvoll sein. Meine Aufgabe ist, dein Anliegen ernst zu nehmen und die Grenzen des Angebots offenzulegen. Ein Heilversprechen hilft dir in dieser Situation nicht.
Quellen und Einordnung
- NICE NG206: ME/CFS, Energiemanagement und Belastungsverschlechterung
- WHO: Rehabilitation bei Post-COVID und Umgang mit PESE
- Doehner et al. (2024): Kontrollierte, nicht randomisierte IHHT-Pilotstudie bei Long COVID
Die Publikationen beziehen sich auf die fachlichen Aussagen. Hinweise zur persönlichen Planung sind eine praktische Einordnung und kein zusätzlicher Studienbefund.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Eine individuelle medizinische Beurteilung bleibt bei Beschwerden erforderlich.

