Ähnliche Wörter, unterschiedliche Verfahren

Du liest über Atemtraining und findest Empfehlungen zu langsamem Atmen, Luftanhalten, Hypoxie oder CO₂. Diese Dinge werden häufig miteinander vermischt. Für eine gute Entscheidung lohnt sich die Frage, was bei der jeweiligen Methode tatsächlich verändert wird.

Beim IHHT steuert ein Gerät den Sauerstoffanteil der Atemluft in wechselnden Phasen. Du musst dafür nicht die Luft anhalten. Bei einer ruhigen Atemübung bleibt der Sauerstoffanteil der Umgebungsluft dagegen gleich. Du veränderst vor allem deinen Atemrhythmus und gegebenenfalls die Atemtiefe.

Langsam bedeutet nicht möglichst tief

Eine Atemübung soll nicht zu einem Wettbewerb werden. Wenn du jeden Atemzug größer machst, obwohl es unangenehm wird, ist die Übung nicht gut angepasst. Für einen einfachen Einstieg kannst du deine natürliche Atmung zunächst beobachten, ohne sie zu erzwingen.

Wenn dir eine ruhigere Atmung angenehm ist, kann das Teil einer Begleitung sein. Bei Schwindel, Luftnot oder Druck wird unterbrochen. Bei Atemwegserkrankungen oder ausgeprägten Beschwerden braucht es eine passende fachliche Anleitung. Atempausen bis zur Belastungsgrenze sind kein allgemeiner Erholungsrat.

Was sich mit HRV beobachten lässt

Die Atmung beeinflusst die zeitlichen Schwankungen der Herzschläge. Deshalb muss bei HRV-Vergleichen dokumentiert werden, ob jemand frei atmete oder eine angeleitete Atemübung machte. Ein höherer Wert während langsamer Atmung lässt sich nicht direkt mit einer dauerhaften Veränderung des Ruheverlaufs gleichsetzen.

Die verlinkte Metaanalyse untersucht langsame Atmung und HRV. Sie ist kein Beleg dafür, dass jede Atemübung dieselbe Wirkung hat wie IHHT. Verfahren und Messsituation müssen jeweils zur Aussage passen.

CO₂ ist eine eigene Fragestellung

Kohlendioxid hängt mit Stoffwechsel, Atmung und Säure-Basen-Regulation zusammen. Eine CO₂-Anwendung, Rückatmung und kontrollierte Sauerstoffreduktion sind dennoch unterschiedliche Verfahren. Ein ähnliches Werbeversprechen macht sie nicht austauschbar.

Bitte experimentiere nicht mit Beuteln, blockierten Atemwegen oder selbst zusammengestellten Gasgemischen. Wenn du Atemübungen kennenlernen möchtest, beginnen wir mit einem verständlichen, verträglichen Vorgehen. Du sollst wissen, was du übst und welche Rückmeldung relevant ist. Für mehr Erholung brauchst du nicht immer den stärksten möglichen Atemreiz.

Quellen und Einordnung

Die Publikationen beziehen sich auf die fachlichen Aussagen. Hinweise zur persönlichen Planung sind eine praktische Einordnung und kein zusätzlicher Studienbefund.

Uli Gutbrod im persönlichen Gespräch
Uli Gutbrod

Medical Fitness Coach, HRV-Coach und Autor. Seit mehr als fünf Jahren praktische IHHT-Begleitung. Mehr über meine Arbeit

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Eine individuelle medizinische Beurteilung bleibt bei Beschwerden erforderlich.

Zum IHHT-Wissensbereich · Zum gesamten Blog