Zentrum für Prävention & RegenerationStartseiteKontakt aufnehmen

Atmung & Biofeedback

Ich übe regelmäßig, aber meine HRV steigt nicht – ist alles umsonst?

Nach mehreren Wochen Atemtraining steht morgens noch immer ungefähr dieselbe Zahl auf dem Display. Bevor du das Training abschreibst, lohnt sich die Frage: Was sollte sich eigentlich verändern?

Offenes Notizbuch neben Laptop und Kaffeetasse
Symbolfoto: Offenes Notizbuch neben Laptop und Kaffeetasse. Foto: Abhilash Sahoo. Pexels License · Verkleinert und als WebP optimiert.

Du kannst eine Übung angenehm finden, im Alltag bewusster pausieren und dennoch keine erkennbare Veränderung deiner Ruhe-HRV sehen. Diese Beobachtungen widersprechen sich nicht zwangsläufig. Ein physiologischer Kennwert und deine persönliche Belastungserfahrung beschreiben unterschiedliche Dinge.

Eine randomisierte Untersuchung von 2026 fand nach verschiedenen Biofeedback-Atemprogrammen Verbesserungen psychischer Belastungsmaße, jedoch keine signifikante Veränderung der Ruhe-HRV. Das ist ein Beispiel dafür, dass sich nicht alle Zielgrößen gemeinsam bewegen. Es ist kein Beleg, dass jedes Atemtraining unabhängig von der HRV wirksam ist. [1]

Prüfe zuerst dein ursprüngliches Ziel

Wolltest du abends leichter aus dem Arbeitsmodus kommen? Vor schwierigen Gesprächen weniger hektisch werden? Oder hast du angefangen, weil eine App einen höheren Wert empfohlen hat? Je klarer das Ziel, desto sinnvoller lässt sich beurteilen, ob die Zeit gut eingesetzt ist.

Schreibe einen einzigen Satz auf, den du im Alltag überprüfen kannst: „Ich möchte nach der Arbeit zehn Minuten ungestört abschalten können.“ Beobachte dann, ob dir genau das häufiger gelingt. Formuliere keine Aufgabe, bei der du jedes Gefühl kontrollieren musst. Es geht um eine spürbare Erleichterung, nicht um zusätzliche Selbstüberwachung.

Vergleiche Ruhe mit Ruhe

Schau nach, welche Zahlen du bislang gegenübergestellt hast. Eine während langsamer Atmung aufgezeichnete Trainingskurve ist kein fairer Vergleich für eine spontane Morgenmessung. Auch ein Gerätewechsel mitten im Zeitraum macht die Bewertung schwieriger. Halte die Messbedingungen möglichst konstant und kennzeichne Veränderungen.

Prüfe außerdem, ob du gerade eine ungewöhnliche Lebensphase beurteilst: Dienstreisen, Krankheit in der Familie, neue Arbeitszeiten oder sportliche Belastung. Solche Umstände gehören in die Einordnung. Daraus folgt nicht, dass eine bestimmte Ursache sicher hinter deinem Wert steckt. Es verhindert aber, eine kleine Zahlenreihe isoliert zu betrachten.

Weiterüben, anpassen oder aufhören?

Wenn die Übung angenehm ist und dir konkret hilft, brauchst du keinen steigenden Wert, um sie weiterhin zu nutzen. Wenn sie dich unter Druck setzt oder dein Alltag sich dadurch nicht erleichtert, lohnt sich eine Anpassung. Vielleicht ist ein kürzerer Termin realistisch. Vielleicht passt eine Pause ohne Bildschirm besser zu dir.

Steigere nicht reflexartig Dauer oder Atemtiefe. Mehr Einsatz ist keine verlässliche Antwort auf einen unveränderten Messwert. Bei anhaltender Erschöpfung oder anderen Beschwerden sollte außerdem geklärt werden, ob du Hilfe außerhalb des Atemtrainings brauchst.

Ich würde mit zwei getrennten Fragen abschließen: Ist die Messung aussagekräftig? Und tut mir die Übung im Alltag gut? Erst die Antworten zusammen ergeben eine brauchbare Entscheidung. Eine einzelne Kurve kann diese Entscheidung nicht ersetzen.

Quellen zum Nachlesen

  1. Sumińska et al. (2026): Resonance frequency versus fixed 0.1 Hz breathing in HRV biofeedback – randomized comparison
Kontakt & TerminWhatsApp