
Beende die vorgegebene Atemübung zunächst. Bleib sicher sitzen und lass die Atmung wieder von selbst fließen. Versuche nicht, den Schwindel mit noch tieferen Atemzügen wegzuatmen. Bei starken, anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden ist eine medizinische Abklärung sinnvoll. Plötzliche Atemnot, Brustschmerz oder eine Ohnmacht erfordern sofortige Hilfe.
Eine mögliche Erklärung ist zu viel Atmung. Auch langsames Atmen kann zur Überatmung führen, wenn du dafür jeden Atemzug sehr groß machst. Eine experimentelle Untersuchung zum Atmen mit sechs Atemzügen pro Minute zeigte: Eine Anleitung gegen Überatmung verringerte den Kohlendioxidabfall und entsprechende Beschwerden. Das erklärt einen möglichen Mechanismus, stellt bei dir aber keine Diagnose. [1]
Langsamer bedeutet nicht größer
Ein Taktgeber zeigt meist nur die Zeit. Wie viel Luft du bewegst, erkennt er häufig nicht. So kann aus „fünf Sekunden einatmen“ unbemerkt „fünf Sekunden kräftig Luft einsaugen“ werden. Gerade wer Übungen gewissenhaft ausführt, neigt manchmal dazu, den Brustkorb bis zum Anschlag zu füllen.
Für eine beruhigende Atemübung brauchst du diesen Kraftaufwand nicht. Der NHS empfiehlt sanftes, bequemes Atmen ohne Zwang. [2] Schultern und Kiefer dürfen locker bleiben. Wenn du erst mit Mühe das Ende der Einatmung erreichst, ist die Vorgabe für deinen Einstieg nicht passend. Du darfst einen leichteren Rhythmus wählen oder ganz auf den Taktgeber verzichten.
Was du vor einem neuen Versuch klären solltest
Notiere, wann die Beschwerden begonnen haben: bereits nach wenigen Atemzügen, erst nach mehreren Minuten oder beim anschließenden Aufstehen? Hattest du zusätzlich Atempausen eingebaut? Hast du bewusst besonders tief geatmet? Solche Angaben helfen einer begleitenden Fachperson mehr als der höchste erreichte HRV-Wert.
Ein erneuter Versuch sollte erst stattfinden, wenn du dich wieder wohlfühlst und die Ursache ausreichend geklärt ist. Bei wiederholten Beschwerden würde ich das nicht als alleinige Übung zu Hause fortsetzen. Du musst weder eine bestimmte Atemzahl noch eine vorgegebene Dauer schaffen. Auch ein kürzeres, angenehm angeleitetes Kennenlernen ist ein vernünftiger Anfang.
Die Anzeige hat hier keine Vorfahrt
Ein großer Ausschlag der HRV-Kurve ist kein Grund, eine unangenehme Übung fortzuführen. Für das Training zählen auch Sicherheit, Körpergefühl und die Frage, ob du das Gelernte selbstständig anwenden kannst. Wenn die Kurve beeindruckend aussieht, du aber kribbelnde Hände oder einen benommenen Kopf bekommst, ist die passende Reaktion eine Unterbrechung.
Nimm diese Erfahrung zur nächsten Besprechung mit. Nicht als gescheiterten Versuch, sondern als wichtige Information darüber, welche Anleitung du brauchst. Eine gute Übung lässt sich an dich anpassen.
